Pandoras Büchse – Die Gabe der Ahnung
Denken Sie an das letzte Mal, an dem ein Verkäufer genau verstanden hat und wusste was Sie wollen. Ist wahrscheinlich schon ziemlich lange her – aber haben Sie auch die Empfehlungen bei Amazon, die Google Suchergebnisse beziehungsweise die personalisierte Empfehlung-Suche von hunch.com dazu gezählt? Nein? Sollten Sie aber. Denn diese Programme sind darauf trainiert Ihnen die Wünsche von Ihren Daten abzulesen.
Wir stehen am Beginn einer Zeit die gekennzeichnet ist von einem regelrechten Überfluss an Daten. Fast bei jeder Handlung hinterlassen und generieren wir Daten über Daten. Marketender, Firmen, Regierung sammeln diese und quantitative Analytiker suchen in Ihnen Muster, neue Erkenntnisse und neues Wissen. Sie lassen somit aus diesen Millionen von einzelnen Daten echte Informationen werden.
Warum das in vielen Fällen so gut funktioniert liegt daran, dass diese Daten konkrete und nachvollziehbare Handlungen repräsentieren, und im Vergleich zu Befragungen und Gesprächen um viele emotionale und irrationale Aspekte bereinigt sind. Denn es antwortet auf die Frage „was habe ich gemacht“ und nicht auf „was habe ich vor zu machen“. Dazwischen können wie wir alle Wissen ganze Welten liegen. Werden meine Daten dann auch noch mit meinen „Handlungs-Verwandten“ Mitmenschen, also mit jenen die ein mir ähnliches Verhalten zeigen, verglichen und kombiniert (behavioral cluster) erhalte ich eine Basis für Zukunfts-Prognosen, die auf fast schon unheimliche Art und Weise zutrifft.
Diese Software Verfahren, auch Algorithmen genannt, kommen zumeist aus den Forschungen der 70ziger und 80ziger die zum Thema künstliche Intelligenz betrieben wurden. Wie Steven Levy in seinem Artikel wunderbar beschrieben hat, sind diese Neo-Roboter überall in unserer Welt angelangt und haben Sie zum Teil auch schon übernommen. Nur nicht so wie wir es uns dachten. Denn nicht Sie sind als mechanische Wesen in unserer Welt, sondern wir bewegen uns in Ihrer! Der Trick war den Begriff künstlich zu streichen und einfach „intelligente“ oder schlicht „moderne“ Systeme zu verwenden.
Und Sie sind überall: GPS zur Navigation, tausende von Sensoren in Fahrzeugen die melden, messen, prognostizieren und mittlerweile auch steuern. Bahnen und U-Bahnen sowieso. Elektronische Ratgeber & Verkäufer bei Hunch, Amazon, Netflix, Google und viele mehr. Und auf der Börse? Mittlerweile die Mehrheit (schätzungsweise 75%) aller Transaktionen an den Börsen werden nicht mehr von menschlichen Händlern durchgeführt sondern von Software – intelligenter Software. Wer kann darauf verzichten? Heute noch viele, doch in absehbarer Zukunft wahrscheinlich niemand mehr.
Fast scheint es so, als hätten Google und Amazon, die ersten Protagonisten dieser auf Massen-Daten basierenden Ökonomie erneut die „Büchse der Pandora“ geöffnet und nach der Hoffnung nun auch die Gabe der Ahnung auf uns Menschen frei gelassen. Und so wie alle großen Gaben kann Sie dazu verwendet werden, um einen positiven aber auch einen negativen Beitrag zum menschlichen Leben zu leisten – je nach Motiv.

